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EU-Autark: Cyberagentur kämpft um Rohstoffmacht

Mit dem Forschungsprogramm EU-Autark will die Cyberagentur Europas Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen verringern. Ein Interessenbekundungsverfahren lädt Forschung und Industrie ein, neue Materialien und Produktionswege für strategische Schlüsseltechnologien zu entwickeln.

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Mikrochip in Produktion
Foto: ©AdobeStock/Grispb

Europa steht an einem technologischen Wendepunkt. Die Frage, wie souverän die digitale Zukunft gestaltet werden kann, entscheidet sich zunehmend an der Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe. Geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und Marktkonzentrationen machen deutlich, wie verwundbar zentrale Technologien geworden sind. Genau hier setzt das geplante Forschungsprogramm EU-Autark an.

Vision: Europa unabhängiger machen

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH, kurz Cyberagentur, bereitet mit EU-Autark ein sicherheitsstrategisch ausgerichtetes Forschungsprogramm vor. Ziel ist es, die Abhängigkeit Europas von sogenannten Critical Raw Materials deutlich zu reduzieren und damit langfristig technologische Handlungsfähigkeit zu sichern. Dazu startet die Cyberagentur ein nichtförmliches Interessenbekundungsverfahren, das Forschungseinrichtungen, Unternehmen und spezialisierte kleine und mittlere Unternehmen frühzeitig einbindet.

Kritische Rohstoffe als strategisches Risiko

Kritische Rohmaterialien sind für zentrale Basistechnologien unverzichtbar. Sie reichen vom Sputter-Target in der Halbleiterfertigung bis zu optischen Verstärkern im globalen Internetverkehr. Viele dieser Materialien stammen jedoch aus politisch instabilen Regionen oder werden von wenigen Staaten kontrolliert. Die Europäische Union stuft sie aufgrund ihres hohen wirtschaftlichen Nutzens und der Versorgungsrisiken als sicherheitsrelevant ein. Damit wird technologische Leistungsfähigkeit unmittelbar zu einer Frage strategischer Abhängigkeit.

Technologie statt Importabhängigkeit

EU-Autark begegnet diesem Risiko auf technologischer Ebene. Im Fokus stehen neuartige Materialien, Komponenten und Produktionsprozesse, die ohne oder mit deutlich weniger kritischen Rohstoffen auskommen. Ziel ist es, Schlüsselfähigkeiten von der Rohstoffverfügbarkeit zu entkoppeln. Betrachtet werden insbesondere Computer, Elektronik, Elektrooptik, Elektromechanik und Elektrik, also die industriellen Kernbereiche der NACE-Klassen (europaweit einheitliche Systematik zur statistischen Klassifikation wirtschaftlicher Tätigkeiten, mit der Unternehmen und Branchen nach Art ihrer wirtschaftlichen Aktivität vergleichbar eingeordnet werden) C26 und C27. Hier entscheidet sich, wie resilient Europas digitale und sicherheitsrelevante Infrastruktur künftig ist.

Sicherheitspolitische Dimension im Fokus

Die sicherheitspolitische Relevanz unterstreicht Gustav Grabolle, Forschungsreferent in der Abteilung Sichere Systeme der Cyberagentur. Er betont, dass innovative Ansätze dort notwendig sind, wo innere und äußere Sicherheit auf Rohstoffen beruhen, deren Versorgung geopolitischen Spannungen unterliegt. EU-Autark versteht technologische Innovation damit explizit als Beitrag zur Sicherheitsvorsorge.

Breite Beteiligung der Forschungslandschaft

Das Interessenbekundungsverfahren ist bewusst offen angelegt. Eingereicht werden können Ideenskizzen, die kritische Fähigkeiten identifizieren, bestehende technologische Pfade analysieren und neue Lösungsansätze aufzeigen. Die Bandbreite reicht von alternativen Funktionsmaterialien für Mikroelektronik über neue photonische Verfahren bis hin zu völlig neuen Produktionsprinzipien. Ziel ist es nicht, einzelne Lösungen vorzugeben, sondern Innovationspotenziale sichtbar zu machen.

Frühzeitige Weichenstellung für Europa

Die eingereichten Skizzen dienen als Grundlage für die spätere Ausgestaltung der Ausschreibung. So kann das Forschungsprogramm gezielt an technologische Machbarkeit, industrielle Relevanz und strategische Notwendigkeiten angepasst werden. Gleichzeitig eröffnet das Verfahren einen frühen Mitgestaltungsspielraum und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Forschung dort ansetzt, wo Europas Verwundbarkeiten am größten sind.

Mit EU-Autark setzt die Cyberagentur ein klares Signal: Digitale Souveränität beginnt nicht erst bei Software oder Netzen, sondern bei den Materialien und Technologien, auf denen Europas Zukunft aufbaut.

Im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union wurde die Ausschreibung mit der Auftragsbekanntmachungsnummer TED 5158-2026 veröffentlicht. Interessierte Teilnehmer können bis zum 01.02.2026 ihre Ideenskizzen hier elektronisch einreichen.

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