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Hybride Angriffe: Wie Deutschland seine Infrastruktur schützen muss

Cyberangriffe, Drohnen und sabotierte Kabel bedrohen Deutschlands Infrastruktur. Auf der Smart Country Convention diskutierten Vertreter aus Politik, Behörden und Wirtschaft, was die Abwehr stärkt: klare Zuständigkeiten, technische Unabhängigkeit und geübte Krisenabläufe.

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Kritische Infrastruktur, Deutschland
Foto: ©AdobeStock/hkama

Deutschlands digitale Infrastruktur muss unterschiedlichen Bedrohungen standhalten: Cyberangriffen ebenso wie Drohnen oder Sabotage an Kabeln. Dabei geht es um mehr als den Schutz einzelner Systeme. Fallen Kommunikationsnetze und digitale Dienste aus, müssen Staat, Behörden und Unternehmen gemeinsam handlungsfähig bleiben. Wie das gelingen kann, diskutierte ein Panel auf der Smart Country Convention (SCCON) 2026 in Berlin.

Technische Unabhängigkeit als Vorsorge

Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, beschrieb ein breites Bedrohungsspektrum: Es reiche von einzelnen Hackern über linksextremistische Gruppen und hybride Angriffe aus Russland bis zu Diensten, die von politischen Akteuren in China und den USA beeinflusst würden.

Jarzombek fordert deshalb mehr Unabhängigkeit bei Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) und bei Satellitentechnologie. Europäische Produkte, Start-ups und quelloffene Technologien sollen dazu beitragen. Staat und Industrie müssten dafür gemeinsam die IT-Wirtschaft stärken. Der Schutz kritischer Infrastruktur ist damit auch eine Frage verfügbarer technischer Alternativen.

Im Krisenfall muss die Führung stehen

Nicht nur für Mobilfunkbetreiber beginnt Krisenbewältigung vor dem ersten Ausfall. Marcus Hacke, Director Marketing & Products Business bei Vodafone, setzt auf Schulungen, regelmäßige Übungen, klar festgelegte Abläufe und Krisenstäbe. Sie sollen dafür sorgen, dass Beschäftigte ihre Aufgaben kennen und auch bei Störungen koordiniert handeln können.

Bei der übergreifenden Führung sieht Hacke jedoch Lücken: „Aber Krisen brauchen auch klare Kommandostrukturen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf in der Politik, den Behörden und bei den Betreibern kritischer Infrastruktur.“ Die Zusammenarbeit braucht deshalb verbindliche Entscheidungswege über Organisationsgrenzen hinweg.

Softwarepflege und KI gehören zusammen

Philipp Trinius, technischer Geschäftsführer bei Deutsche Telekom Security, betonte, wie wichtig grundlegende Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmensalltag sind. Dazu gehört vor allem, bekannte Softwarelücken durch Updates zu schließen. Bleiben diese offen, können Angreifer sie ausnutzen. Auch moderne Abwehrtechnik ersetzt deshalb keine regelmäßigen Sicherheitsupdates.

KI eröffnet neue Möglichkeiten für Angriff und Verteidigung zugleich. „Wir können KI genauso nutzen wie die Angreifer, um Cyberattacken zu erkennen und zu verhindern“, sagte Trinius. Für Unternehmen verbindet sich damit die laufende Pflege ihrer Systeme mit der Aufgabe, neue Verfahren zur Erkennung und Abwehr sinnvoll einzusetzen.

Sicherheit braucht die Beschäftigten

Neben der Technik entscheidet der Umgang der Menschen mit ihr über die Widerstandsfähigkeit. Christoph Hübner, Präsident der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS), betonte die Bedeutung von Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein: „Ob in der Verwaltung oder im Unternehmen, jedem muss klar sein, dass Sicherheit uns allen dient.“

Jarzombek bezog auch private Haushalte ein. Vernetzte Geräte wie Kameras könnten als Angriffsmittel missbraucht werden. Sicherheitsbewusstsein ist deshalb nicht allein eine Aufgabe spezialisierter IT-Abteilungen. Es betrifft ebenso die Menschen, die digitale Technik im Alltag einsetzen.

Von der Debatte zur Umsetzung

Das Interesse an der Digitalisierung des öffentlichen Sektors wächst. Mehr als 30.000 Menschen besuchten die SCCON, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf sieben Bühnen fanden mehr als 1.400 Live-Sessions statt, hinzu kamen 900 Vortragende sowie 100 themenzentrierte Workshops und Seminare.

In drei Messehallen standen Verwaltungsdigitalisierung, Smart Cities und Smart Regions, digitale Sicherheit, Mobilität, digitale Teilhabe sowie KI- und Cloud-Technologien im Mittelpunkt. Die Schirmherrschaft übernahm erneut das Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Partnerland war Portugal.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verband das große Interesse mit einer konkreten Erwartung: „Diese Aufbruchstimmung müssen wir jetzt in die praktische Arbeit vor Ort mitnehmen.“ Für den Schutz digitaler Infrastruktur bedeutet das vor allem: Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, Krisenabläufe üben und Verantwortung verbindlich regeln.

„Wir müssen aus der Naivität aufwachen“, so der Tenor auf der Smart Country Convention in Berlin.
Foto: Messe Berlin

„Wir müssen aus der Naivität aufwachen“, so der Tenor auf der Smart Country Convention in Berlin.

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