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Ingenieurarbeitsmarkt unter Druck:: Krise trifft auf wachsenden Fachkräftemangel

Der neue Ingenieurmonitor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt einen Arbeitsmarkt im Spannungsfeld: Während Stellen wegfallen und Arbeitslosigkeit steigt, verschärft sich der Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen weiter. Besonders Bau und Infrastruktur werden zum Engpassfaktor für den Standort Deutschland.

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Team von Ingenieuren analysiert und berät über Pläne
Foto: ©AdobeStock/Thitiphat

Der Ingenieurarbeitsmarkt steht spürbar unter Druck. Im dritten Quartal 2025 sank die Zahl offener Stellen in Ingenieur- und Informationstechnologieberufen im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 99.470. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit in diesen Berufsgruppen um 17,6 Prozent. Besonders stark betroffen sind die Informationstechnologie, die Kunststoffproduktion sowie die chemische Industrie, in denen der Stellenabbau deutlich ausfällt.

Ein anderes Bild zeigt sich in der Metallverarbeitung: Hier nahm die Zahl offener Stellen um 3,6 Prozent zu. Die Entwicklung verdeutlicht, wie stark die Konjunkturflaute einzelne Industriezweige unterschiedlich trifft. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass der Bedarf an Ingenieur- und Informationstechnologiekompetenzen mittelfristig wieder steigt. Treiber sind Digitalisierung, Klimaschutz, demografischer Wandel sowie umfangreiche Investitionen in Infrastrukturprogramme.

Fachkräftemangel bleibt strukturelles Problem

Trotz sinkender Stellenzahlen besteht in vielen Bereichen weiterhin ein erheblicher Engpass. Besonders angespannt ist die Lage bei Bauingenieurberufen, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur. Hier kommen 306 offene Stellen auf 100 arbeitslose Fachkräfte. Damit löst diese Berufsgruppe die Energie- und Elektrotechnik als größtes Nadelöhr ab.

Der VDI warnt, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürfte. Gründe sind der Renteneintritt der Babyboomer-Generation sowie rückläufige Studienzahlen bei Schülerinnen und Schülern. Zwischen 2016 und 2023 sank die Zahl der Studierenden in Ingenieurwissenschaften um mehr als elf Prozent. Hinzu kommen nachlassende Technik- und Mathematikkompetenzen bei Schulabgängern, die den Nachwuchsmangel zusätzlich verstärken.

Zuwanderung gewinnt an Bedeutung

Ein zentraler Hebel zur Entschärfung der Fachkräftelücke ist die Integration ausländischer Fachkräfte. Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen stieg zwischen 2012 und März 2025 von sechs Prozent auf 11,4 Prozent. Besonders stark vertreten sind Ingenieure aus Indien, deren Zahl in diesem Zeitraum von 2.120 auf 13.997 anwuchs, gefolgt von Fachkräften aus der Türkei und Italien.

Wie erfolgreich diese Strategie sein kann, zeigt sich regional deutlich. Im Großraum München arbeiten mit 11.877 Personen die meisten ausländischen Ingenieure in Deutschland. Die Zuwanderung trägt dort messbar zur Innovationskraft und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs bei.

Nachwuchsförderung entscheidet über Zukunftsfähigkeit

Neben Zuwanderung bleibt die Nachwuchsförderung entscheidend. Der VDI fordert eine modernere, praxisnähere Ausbildung sowie eine frühe Förderung technischer Kompetenzen bereits in Kindertagesstätten und Schulen. Ein besonderer Fokus soll auf Mädchen und jungen Frauen liegen, um das Potenzial besser auszuschöpfen.

Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht der Fachkräftemangel die Umsetzung zentraler Zukunftsprojekte zu bremsen. Infrastrukturprogramme und die Hightech-Strategie der Bundesregierung sind auf qualifizierte Ingenieur- und Informationstechnologieexpertise angewiesen. Der Ingenieurmonitor macht deutlich: Die Engpässe von morgen entstehen trotz der aktuellen Konjunkturschwäche bereits heute.

Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor (Q3 2025) ist hier verfügbar.

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