Home » News » Kühlanlagen angreifbar: Lücken erlauben Manipulation aus der Ferne

Kühlanlagen angreifbar: Lücken erlauben Manipulation aus der Ferne

Schwachstellen in weit verbreiteten Steuerungen für Kühlanlagen könnten Angreifern weitreichenden Zugriff bis hin zur Manipulation physischer Prozesse ermöglichen. Betroffen sind Systeme von Danfoss und Copeland, die unter anderem in Supermärkten, Kühlhäusern, Logistikzentren und der Gastronomie eingesetzt werden.

2 Min. Lesezeit
Serverlüfter und Luftstromregler
Foto: ©AdobeStock/Mircea

Die Forschungsabteilung Team82 von Claroty hat mehrere Sicherheitslücken in der Danfoss-Plattform AK-SM 800A sowie insgesamt 23 Schwachstellen in Copelands XWEB Pro entdeckt. In beiden Fällen können Angriffe weit über den Zugriff auf eine Weboberfläche hinausreichen: Im schlimmsten Fall lassen sich Steuerungen manipulieren, Kühlprozesse verändern oder Systeme außer Betrieb setzen.

  • Danfoss AK-SM 800A: Schwachstellen ermöglichen Remote Code Execution (RCE) und Denial-of-Service-Angriffe (DoS).
  • Copeland XWEB Pro: Sicherheitsmechanismen lassen sich umgehen und Systeme aus der Ferne manipulieren.

Für beide Plattformen stehen Firmware-Updates bereit, die Betreiber möglichst schnell installieren sollten.

Danfoss: Versteckter Zugang hebelt Anmeldung aus

Der AK-SM 800A dient als zentrale Managementplattform für Kälte- und Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK). Das System sammelt Daten zahlreicher Feldgeräte und ermöglicht über eine Weboberfläche die Konfiguration von Netzwerkeinstellungen, Alarmen, Benutzern, Benachrichtigungen und Wartungsfunktionen.

Team82 stieß dabei auf einen versteckten „Code-of-the-Day“-Mechanismus, über den sich die reguläre Authentifizierung umgehen lässt. Hinzu kommt eine RCE-Lücke. Authentifizierte Benutzer können außerdem beliebige Konfigurationsanweisungen in Nginx einschleusen, dadurch Webverkehr verändern und einen DoS-Zustand auslösen.

Nach erfolgreicher Umgehung der Anmeldung stehe Angreifern nicht mehr nur eine kleine Zahl öffentlicher Funktionen offen, erklärt Claroty-Manager Thorsten Eckert. Sie könnten vielmehr „auf die gesamte Administrationsoberfläche und alle darin verfügbaren Verwaltungsfunktionen“ zugreifen.

Danfoss hat die Schwachstellen mit Firmware R4.3.1 behoben. Zusätzlich sollten Betreiber Managementoberflächen nicht direkt aus dem Internet erreichbar machen und Zugriffe auf vertrauenswürdige Netze begrenzen.

Copeland: Gefälschte Temperaturwerte verschleiern Angriffe

Noch umfangreicher sind die Probleme bei XWEB Pro. Von 23 entdeckten Schwachstellen wurden 21 als schwerwiegend eingestuft. Nicht authentifizierte Angreifer können Schutzmechanismen umgehen und unter Umständen Code mit Root-Rechten ausführen.

In einer Demonstration kompromittierte Team82 einen XWEB-Controller und griff darüber auf einen seriell angeschlossenen Feldcontroller zu. Anschließend ließen sich Kompressor, Ventilatoren, Abtauzyklus und Beleuchtung aus der Ferne ein- oder ausschalten.

Besonders kritisch: Auch die angezeigte Temperatur konnte beliebig verändert werden. Die Bedienoberfläche kann damit einen scheinbar normalen Wert anzeigen, während die reale Temperatur längst außerhalb des zulässigen Bereichs liegt. Manipulationen könnten so lange unbemerkt bleiben, bis Lebensmittel, Medikamente oder andere temperaturempfindliche Waren Schaden nehmen.

Copeland schließt die bekannten Lücken mit Firmware-Version 1.13.

Digitale Lücken bekommen physische Folgen

Die Funde zeigen ein grundsätzliches Risiko der Operational Technology (OT): Softwarefehler können unmittelbar auf reale Prozesse durchschlagen. „Bereits wenige Software-Schwachstellen“ könnten Folgen von verdorbenen Lebensmitteln bis zu beeinträchtigten Medikamenten haben, warnt Eckert.

Neben aktuellen Firmwareständen sind deshalb Netzwerksegmentierung, eingeschränkte Fernzugänge und abgeschottete Managementschnittstellen zentral. Gerade übergeordnete Steuerungen verdienen besonderen Schutz: Wer sie übernimmt, erhält häufig Zugriff auf zahlreiche nachgelagerte Komponenten und damit auf den eigentlichen physischen Prozess.

Weitere Informationen, Hintergründe und technische Details finden sich im entsprechenden Blog-Beitrag von Claroty.

Schwachstellen bedrohen die Steuerungssysteme von Kühlanlagen.
Quelle: WeissenbachPR/KI-generiert

Schwachstellen bedrohen die Steuerungssysteme von Kühlanlagen.

Andere interessante News

Hochspannungstransformator

Cyberangriff legt britischen Stromerzeuger vier Tage lahm

Ein Cyberangriff hat im Juli einen kleinen britischen Stromerzeuger vier Tage außer Betrieb gesetzt. Der Vorfall blieb für das Stromnetz folgenlos, zeigt aber, wie digitale Angriff...

Städtisches Regenwasser, das bei starkem Regen in eine Drainage fliesst

i.WET: Wie Städte Wasser sparen und zugleich Starkregen abfedern

Ein Pilotprojekt in Lünen zeigt, wie sich Regen- und Grauwasser mehrfach nutzen lassen. Das i.WET-Konzept spart Trinkwasser und Energie, entlastet die Kanalisation bei Starkregen u...

2 Miniatur Panzer auf Euro-Scheinen mit EU-Flagge im Hintergrund

EUDEX vernetzt Europas Verteidigungsindustrie über Grenzen hinweg

Mit zwei internationalen Matchmaking-Formaten will die Euro Defence Expo (EUDEX) europäische Unternehmen gezielt zusammenbringen. Im Fokus stehen Kooperationen mit den Visegrád-Sta...