Perimeter Protection Kongress: Perimeterschutz wird zum Resilienzfaktor : KRITIS-Dachgesetz und digitale Zwillinge verändern die Branche
Der erste Perimeter Protection Kongress in Nürnberg traf einen Nerv: Knapp 200 Teilnehmer diskutierten, wie Kritische Infrastrukturen künftig ganzheitlich geschützt werden können. Im Fokus standen neue gesetzliche Anforderungen, 3D-Perimetersicherung und der digitale Zwilling.

Mit seiner Premiere am 22. und 23. April 2026 im Messezentrum Nürnberg setzte der Perimeter Protection Kongress ein klares Signal: Perimetersicherheit ist längst kein Randthema mehr, sondern wird zu einem strategischen Baustein für Resilienz, Gefahrenabwehr und Betriebssicherheit. Unter dem Titel „Die neue Dimension – der digitale Zwilling in der Perimetersicherung“ brachte das von der Fachmesse getragene Format knapp 200 Teilnehmer aus Industrie, Planung und Betrieb zusammen. Begleitet wurde das Kongressprogramm von einer Table-Top-Ausstellung, auf der 15 Unternehmen Lösungen und Systeme präsentierten.
Die zeitliche Platzierung war bewusst gewählt. „Vor dem Hintergrund der kürzlichen Veröffentlichung des KRITIS-Dachgesetzes sowie den damit verbundenen Unsicherheiten bei den Betreibern Kritischer Infrastrukturen hätten wir keinen besseren Zeitpunkt für den Perimeter Protection Kongress finden können“, brachte Dipl.-Ingenieur Carsten Feddern, Geschäftsführer des Verbands für Sicherheitstechnik (VfS), die Lage zur Eröffnung auf den Punkt.
Sicherheit braucht kürzere Takte
Die zunehmenden internationalen Konflikte, wachsende Sabotagerisiken und neue regulatorische Vorgaben verändern die Erwartung an Sicherheitskonzepte. Ein zweijähriger Messeturnus reicht aus Sicht der Veranstalter nicht mehr aus, um aktuelle Entwicklungen angemessen zu begleiten. Gefragt ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen Betreibern, Planern, Herstellern und Behörden.
Auch die NürnbergMesse Group zieht daraus strategische Konsequenzen. Geschäftsführer Peter Ottmann kündigte an, sicherheitsrelevante Veranstaltungen künftig stärker in einem Sicherheitscluster zu bündeln. Dazu zählen die Enforce Tac, die it-sa Expo und Congress sowie die Perimeter Protection. Ziel ist eine ganzheitliche Betrachtung von Sicherheit über physische, digitale und organisatorische Ebenen hinweg.
Das KRITIS-Dachgesetz verändert den Blick
Inhaltlich stand das KRITIS-Dachgesetz im Zentrum vieler Diskussionen. Das Gesetz schließt eine bisherige Regulierungslücke: Während die NIS-2-Richtlinie bereits konkrete Vorgaben für Cyber-Sicherheit macht, nimmt das KRITIS-Dachgesetz nun ausdrücklich auch die physische Sicherheit in den Blick. Feddern formulierte die Konsequenz klar: „Cyber-, IT- und physische Sicherheit müssen zusammen diskutiert werden.“
Das Regelwerk umfasst zehn Sektoren, deren konkrete Schwellenwerte noch in separaten Rechtsverordnungen festgelegt werden. Gerade darin liegt eine praktische Herausforderung. Die Verordnungen liegen noch nicht vor, die Fristen für betroffene Unternehmen laufen jedoch bereits. Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen daher frühzeitig prüfen, ob sie betroffen sind, Schutzlücken identifizieren und belastbare Resilienzpläne entwickeln. Der VfS unterstützt Unternehmen dabei mit einem KRITIS-Leitfaden.
Der digitale Zwilling wird zum Sicherheitsmodell
Ein zweiter Schwerpunkt war die Perimetersicherung in 3D. Dahinter steht mehr als eine modernere Visualisierung von Geländegrenzen. Der digitale Zwilling soll physische Infrastrukturen, technische Systeme, Gebäude, Prozesse und sicherheitsrelevante Daten in einem konsistenten Modell zusammenführen. Damit lassen sich Risiken simulieren, Schutzmaßnahmen planen und Veränderungen über den gesamten Lebenszyklus einer Liegenschaft bewerten.
Der Unterschied zu klassischen zweidimensionalen Konzepten liegt in der vernetzten Betrachtung. Sensorik, Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, bauliche Strukturen, IT-Systeme und Betriebsprozesse werden nicht isoliert betrachtet, sondern als zusammenhängendes Sicherheitsökosystem. Gerade für Kritische Infrastrukturen kann dieser Ansatz helfen, Abhängigkeiten sichtbar zu machen und Schwachstellen früher zu erkennen.
Thomas Kirmayr vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik betonte in seinem Beitrag, dass Digitalisierung nicht mit möglichst vielen Daten beginnen dürfe. Entscheidend sei zuerst die Frage, welche Informationen tatsächlich benötigt werden. Erst danach sollten Daten erhoben, strukturiert und in smarte Modelle überführt werden. So entstehen digitale Zwillinge, die langfristig nutzbar bleiben und nicht durch unnötige Datenlast an Wert verlieren.
Von der Premiere zur kontinuierlichen Plattform
Neben KRITIS-Dachgesetz und 3D-Perimetersicherung behandelte der Kongress weitere Themen wie Cloud-Technologien, BIM-basierte Planung, biometrische Verfahren, die NIS-2-Richtlinie und die Verzahnung von Cyber-, IT- und physischer Sicherheit. Executive Director Benedikt Weyerer zog ein positives Fazit: „Wir haben mit dem Perimeter Protection Kongress eine Plattform geschaffen, die strategische Fragestellungen der Perimetersicherheit mit praxisnahen Lösungen verbindet.“
Die Premiere zeigt: Perimeterschutz entwickelt sich vom technischen Spezialgebiet zu einer Schlüsseldisziplin moderner Sicherheitsarchitekturen. Auf der Perimeter Protection vom 19. bis 21. Januar 2027 in Nürnberg sollen die Themen KRITIS-Dachgesetz, digitaler Zwilling und Perimetersicherung in 3D weiter vertieft werden.

Im Fokus der „Perimeter Protection“-Premiere standen neue gesetzliche Anforderungen, 3D-Perimetersicherung und der digitale Zwilling.



