Home » News » Quanten gegen Sabotage: Wie die Bahn sich künftig selbst schützt

Quanten gegen Sabotage: Wie die Bahn sich künftig selbst schützt

Sabotage, menschliches Versagen oder Cyberangriffe – der Bahnverkehr ist verwundbar. Ein neues Forschungsprojekt der TU Berlin will das ändern: Mit Quantenkryptographie sollen Steuerbefehle in Zügen künftig abhörsicher übertragen und Manipulationen zuverlässig erkannt werden.

1 Min. Lesezeit
Post Quantum Cryptography and Disinformation Security concept
Foto: ©AdobeStock/chiew

Millionen Menschen vertrauen täglich auf den Zug – und damit auf ein kunstvolles Puzzle moderner Technik. Die Kommunikation zwischen Fahrdienstleitung und Lokführer wirkt dabei allerdings etwas antiquiert, denn sie basiert oft noch auf gesprochener Sprache. Das birgt Risiken – etwa durch menschliche Fehler oder gezielte Manipulation.

Digitale Befehle statt Zurufe aus dem Stellwerk

Im Projekt SQuIRRL (Secure Quantum Infrastructure for Road, Rail and Flight), das vom Bundesforschungsministerium mit über fünf Millionen Euro gefördert wird, arbeitet die TU Berlin gemeinsam mit Partnern wie dem Hasso-Plattner-Institut und der TU Chemnitz an einer Technologie, welche die Kommunikation im Bahnverkehr revolutionieren könnte. Ziel ist der sogenannte Digitale Befehl: Statt mündlicher Anweisungen werden Steuerbefehle künftig direkt an das Fahrpult des Zuges übertragen – verschlüsselt mit Hilfe der Quantenkryptographie.

Diese nutzt einzelne Lichtteilchen zur Übertragung von Zufallsschlüsseln, mit denen Nachrichten absolut sicher verschlüsselt werden können. „Manipulationen wären sofort erkennbar“, so Timo Ramsdorf vom Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur an der TU Berlin. Gerade im Bahnbetrieb, wo falsche Signale fatale Folgen haben könnten, ist diese Sicherheit essenziell.

Tests mit realer Technik und echten Zügen

Die Theorie wird nicht nur auf dem Papier erprobt: Am Eisenbahnbetriebsfeld der TU Berlin laufen bereits Simulationen mit echter Stellwerkstechnik. Triebfahrzeugführer testen an Fahrsimulatoren, wie sich die neue Kommunikationstechnologie im Alltag anfühlt. Ergänzt werden die Versuche durch Feldtests auf dem Rangierbahnhof Wustermark mit Unterstützung der Havelländischen Eisenbahn.

Am Ende des bis 2027 laufenden Projekts soll ein funktionierender Prototyp stehen. „Unser Ziel ist eine Lösung, die sich problemlos in bestehende Bahnsysteme integrieren lässt“, erklärt Ulrich Zimmermann von der TU Berlin. So könnte aus Quantentechnologie in wenigen Jahren ein unsichtbarer Schutzschild für den Schienenverkehr werden – und ein neuer Standard für kritische Infrastrukturen.

Weitere Informationen:

Andere interessante News

Einbrecher klettert über Industriezaun

Sicherheitsmonitor 2026: Einbrüche treffen fast jedes zweite Unternehmen

Das Sicherheitsbedürfnis in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand. Der Sicherheitsmonitor 2026 zeigt zugleich eine auffällig hohe Einbruchbelastung bei Unternehmen, wachsend...

Elektronisches Schloss

Elektronischer Schlüssel holt Zugangsrechte direkt per Mobilfunk

Elektronische Schließsysteme benötigen für neue Berechtigungen meist Smartphone oder stationären Updater. ASSA ABLOY will diese Abhängigkeit mit eCLIQ FLASH beseitigen: Der Schlüss...

Fluchttür mit grünem Schild

Smarte Türen, vernetzte Sicherheit: Gebäudetechnik wird digital

Auf der GET NORD 2026 zeigt ASSA ABLOY, wie Fluchttürsteuerung, Schließtechnik und IP-Türkommunikation stärker zusammenwachsen. Im Fokus stehen zentral steuerbare Sicherheitsfunkti...