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Abkehr vom Vorbild: Startups distanzieren sich zunehmend von den USA

Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus sorgt bei deutschen Tech-Startups für Verunsicherung. Fast jede dritte Gründung hinterfragt die Finanzierung durch US-Investoren. Die Sorge um politische Risiken wächst – ebenso wie der Wunsch nach mehr digitaler Souveränität und europäischer Unabhängigkeit.

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Philip Meyer

2 Min. Lesezeit
Junges Startup-Team bei einer Besprechung in einem modernen Büro in den USA mit Laptops und Notizen auf dem Tisch
Foto: ©AdobeStock/Vasyl

Lange galten die Vereinigten Staaten als Leuchtturm für Innovation und Risikokapital – vor allem für die deutsche Startup-Szene. Doch mit der Wiederwahl von Donald Trump scheint dieses Vertrauen zu bröckeln. Sieben von zehn Gründerinnen und Gründern (70 Prozent) halten die Vereinigten Staaten unter seiner Führung für ein Risiko für die deutsche Wirtschaft. Besonders deutlich zeigt sich das in einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 152 deutschen Tech-Startups.

Ein Drittel (35 Prozent) der Befragten würde derzeit zögern, mit US-Unternehmen oder Startups zusammenzuarbeiten. Die Gründe reichen von politischen Unsicherheiten bis hin zu geopolitischen Spannungen. Die einst bewunderte Innovationspartnerschaft steht damit auf dem Prüfstand.

Finanzierung durch US-Investoren unter Beobachtung

Die politische Lage schlägt sich auch auf den Umgang mit Geldgebern nieder. Drei von zehn Startups (31 Prozent) prüfen ihre bestehenden oder geplanten Beziehungen zu US-Investoren. Besonders deutlich: 13 Prozent bevorzugen inzwischen europäische Kapitalgeber. Weitere 11 Prozent äußern sich zurückhaltender gegenüber Finanzierungen aus den Vereinigten Staaten. Für sieben Prozent sind US-Investoren keine Option mehr.

Gleichzeitig bleibt ein Drittel pragmatisch: 30 Prozent der Startups sehen US-Kapital auch nach dem Regierungswechsel weiterhin als attraktiv an. Für weitere 26 Prozent spielt Geld aus den Vereinigten Staaten ohnehin keine Rolle. Diese Zahlen zeigen eine differenzierte, aber spürbar kritischere Haltung gegenüber der bisherigen Startup-Nation Nummer eins.

Ruf nach digitaler Souveränität wird lauter

Besonders deutlich wird die strategische Konsequenz dieser Entwicklung: 87 Prozent der Startups fordern mehr digitale Souveränität für Deutschland. Gemeint ist damit nicht nur technologische

Unabhängigkeit, sondern auch ein stärkeres europäisches Ökosystem für Daten, Software, Infrastruktur und Kapital. Der geopolitische Druck ist für viele eine Initialzündung: weg von Abhängigkeiten, hin zu eigenen Lösungen.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin eine Chance: „Wenn sich Startups bewusst für Deutschland und Europa als Standort entscheiden, ist das eine riesige Gelegenheit. Tech-Startups können und werden einen wichtigen Beitrag für ein digital souveränes Deutschland leisten.“ Gleichzeitig mahnt er strukturelle Reformen an – weniger Bürokratie, mehr öffentliche Aufträge für Startups und bessere Zugangsmöglichkeiten zu Wagniskapital, besonders von institutionellen Investoren.

Digitale Eigenständigkeit braucht politischen Willen

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, zeichnet aber ein deutliches Stimmungsbild in der deutschen Tech-Szene: Die Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren wird zunehmend als Risiko wahrgenommen. Der Ruf nach politischen Antworten wird lauter – auch, weil Startups längst bereit sind, ihren Beitrag zur digitalen Unabhängigkeit zu leisten. Was fehlt, ist die entschlossene Unterstützung durch Verwaltung, Gesetzgeber und Kapitalgeber.

Der Abstand zu den Vereinigten Staaten mag für manche ein Rückzug sein – für andere ist er der erste Schritt in Richtung technologischer Selbstbestimmung.

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