Bosch investiert in Start-ups für widerstandsfähige Infrastrukturen
Stromausfälle, Netzschwankungen und gestörte Lieferketten können ganze Produktionsstandorte lahmlegen. Bosch erweitert deshalb seine Investitionsstrategie um die Resilienz kritischer Infrastrukturen. Neue Deep-Tech-Start-ups sollen Energieversorgung und industrielle Prozesse widerstandsfähiger machen.

Bosch Business Innovations erweitert seine Venture-Building-Aktivitäten um ein neues Geschäftsfeld: die Resilienz kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Im Fokus stehen Technologien, die Energie- und Versorgungssysteme stabilisieren, industrielle Betriebsabläufe gegen Störungen absichern und die Wiederherstellung kritischer Prozesse beschleunigen. Dabei geht es nicht nur um klassische KRITIS-Betreiber, sondern auch um einzelne Fabriken, Produktionsstandorte und deren Lieferketten.
Hintergrund sind wachsende Risiken für die Energieversorgung und industrielle Wertschöpfung. Allein für die Modernisierung europäischer Übertragungs- und Verteilnetze veranschlagt die Europäische Kommission gemäß dem EU Action Plan for Grids bis 2030 einen Investitionsbedarf von rund 584 Milliarden Euro. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen durch die europäische Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS-2) und das deutsche KRITIS-Dachgesetz. Schon kurze Stromunterbrechungen oder Spannungsschwankungen können in energieintensiven Produktionsanlagen erhebliche Schäden verursachen.
Vier Fähigkeiten für resiliente Systeme
Bosch Business Innovations verfolgt einen Ansatz, der über die reine Absicherung technischer Anlagen hinausgeht. Die geplanten Technologien sollen vier Fähigkeiten unterstützen: Vorbereitung auf Störungen, Abfederung ihrer Auswirkungen, schnelle Wiederherstellung und Anpassung an veränderte Bedingungen. Das Unternehmen fasst diese Funktionen unter den Begriffen „Prepare, Absorb, Recover, Adapt“ zusammen.
Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich technische Störungen nicht vollständig verhindern lassen. Kritische Systeme müssen deshalb auch dann funktionsfähig bleiben, wenn einzelne Komponenten ausfallen oder externe Versorgungsbedingungen schwanken. Dazu gehören beispielsweise eine intelligente Verteilung verfügbarer Energieressourcen, die frühzeitige Erkennung technischer Probleme und ein kontrollierter Wiederanlauf unterbrochener Produktionsprozesse.
Drei Investitionsfelder im Fokus
Die neue Strategie konzentriert sich auf drei miteinander verbundene Technologiebereiche:
- Resiliente Energiesysteme: Lösungen für KI-gestütztes Energie- und Netzmanagement, neue Netztechnologien, Geothermie sowie die Widerstandsfähigkeit von Netz- und Speicherinfrastrukturen. Dazu zählt insbesondere die intelligente Steuerung von Netzkapazitäten und Energiespeichern.
- Resiliente industrielle Abläufe: Technologien zur Absicherung von Energieversorgung und Produktionsprozessen, Wärme- und Thermomanagement, widerstandsfähige Gebäude und Standorte, kontrollierter Wiederanlauf kritischer Anlagen sowie vorausschauende Instandhaltung.
- Resiliente Infrastrukturprojekte: Lösungen zur Absicherung kritischer Infrastrukturen einschließlich Technologien für Wasserversorgung und Hochwassersicherheit.
Die drei Bereiche greifen technisch ineinander. So kann ein intelligentes Energiemanagement verfügbare Speicherressourcen gezielt einsetzen, während vorausschauende Instandhaltung mögliche Anlagenausfälle frühzeitig erkennt. Dadurch lassen sich Störungen abfangen und ungeplante Betriebsunterbrechungen möglicherweise verkürzen.
Neue Technologien statt eigener Infrastruktur
Bosch Business Innovations will keine eigenen Energie- oder Versorgungsnetze errichten. Stattdessen sollen neue Unternehmen zusätzliche intelligente Technologie- und Steuerungsschichten entwickeln, die bestehende Infrastrukturen widerstandsfähiger machen.
Als Grundlage dienen technologische Kompetenzen der Bosch-Gruppe. Dazu gehören Erfahrungen mit energie- und ausfallsensitiven Produktionsstandorten, Lösungen für Energiemanagement und elektrische Leistungsüberwachung sowie stationäre Energiespeicher und Leistungselektronik. Auch Vehicle-to-Grid-Technologien (V2G), bei denen Elektrofahrzeuge Energie bedarfsgerecht ins Stromnetz zurückspeisen können, zählen zum verfügbaren Technologieportfolio.
Das Geschäftsmodell setzt auf externe Gründer, die gemeinsam mit Bosch eigenständige Start-ups aufbauen. Sie erhalten Zugang zu Forschungsressourcen, Patenten, industrieller Anwendungskompetenz und internationalen Partnernetzwerken. Bosch Business Innovations begleitet die Unternehmen bis zur Investmentreife und setzt dabei auf gemeinsame Finanzierungen mit externen Investoren.
200 Millionen Euro für Deep-Tech-Gründungen
Bis 2030 will die Bosch-Gruppe rund 200 Millionen Euro über Bosch Business Innovations in neue Deep-Tech-Start-ups investieren. Die Mittel sind für das gesamte Venture-Building-Portfolio vorgesehen und nicht ausschließlich für das neue KRITIS-Geschäftsfeld reserviert.
Axel Deniz, CEO von Bosch Business Innovations, bezeichnet die neue Investitionsthese als „strategischen Baustein für den langfristigen Aufbau unseres Venture-Portfolios“. Das Zusammenspiel von Bosch-Technologien, industrieller Erfahrung und externen Gründern soll Unternehmen helfen, geopolitische und energiepolitische Unsicherheiten besser zu bewältigen.
Konkrete Start-ups oder erste Investitionen im neuen Geschäftsfeld nennt Bosch bislang nicht. Die Strategie zeigt jedoch, wohin sich das industrielle Resilienzgeschäft entwickeln soll: weg von isolierten Schutzmaßnahmen, hin zu intelligenten Systemen, die Energieversorgung, Anlagenbetrieb und Wiederherstellungsfähigkeit gemeinsam berücksichtigen.

Bosch Business Innovations für Resilienz kritischer Infrastrukturen: Bosch-Werk Eisenach.



