Drohnenallianz soll Europas Verteidigung stärken
Skyeton und ONBERG wollen in Deutschland eine industrielle Plattform für autonome Verteidigungssysteme aufbauen. Die Kooperation verbindet ukrainische Einsatzerfahrung, deutsche Fertigungskompetenz und amerikanische Drohnentechnologie.

Die europäische Verteidigungsindustrie steht unter hohem Druck: Systeme müssen schneller verfügbar, Lieferketten robuster und Produktionskapazitäten skalierbarer werden. Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin 2026 (ILA) haben Skyeton und ONBERG Autonomous Systems (ONBERG) deshalb ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Ziel ist der Aufbau einer industriellen Plattform in Deutschland, um NATO-konforme unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) und autonome Komponenten schneller entwickeln, produzieren und vermarkten zu können.
Skyeton ist eine in der Ukraine gegründete Luftfahrt-Produktionsholding. ONBERG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der HD Advanced Technologies GmbH (HDAT) und der Ondas Autonomous Systems (OAS). HDAT ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Heidelberger Druckmaschinen AG (HEIDELBERG), OAS wiederum eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der börsennotierten amerikanischen Ondas Inc. Damit treffen ukrainische Gefechtserfahrung, deutsche industrielle Präzision und amerikanische Technologiekompetenz bei autonomen Systemen in einer neuen Partnerschaft zusammen.
Industrieplattform für skalierbare Verteidigung
Im Zentrum der geplanten Kooperation steht eine gemeinsame Roadmap. Sie sieht vor, in Deutschland Kapazitäten für Entwicklung, Industrialisierung, Produktion und Kommerzialisierung autonomer Komponenten und Subsysteme aufzubauen. Die Partner wollen damit nicht nur die Fertigung beschleunigen, sondern auch kritische Lieferketten innerhalb des Bündnisses absichern.
Das erste Leuchtturmprojekt ist die Skalierung und Kommerzialisierung des Raybird-UAS von Skyeton. Das modulare System ist auf große Reichweite, lange Einsatzdauer und dauerhafte Aufklärung ausgelegt. Perspektivisch soll es mit weiteren autonomen Lösungen kombiniert werden. Auch die Verbindung des Raybird mit einem großen unbemannten Bodenfahrzeug von HDAT soll in Kürze in der Ukraine erprobt werden. Damit zielt die Partnerschaft auf ein Multi-Domain-Geschäft, das Luft- und Bodensysteme stärker miteinander verknüpft.
Ukrainische Erfahrung trifft deutsche Fertigung
Die politische Bedeutung der Vereinbarung unterstrich Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter Rüstung im Verteidigungsministerium, bei der Unterzeichnung. Initiativen wie diese seien „das Rückgrat der künftigen europäischen Verteidigungsarchitektur“. Durch die Verbindung ukrainischer Gefechtserfahrung mit europäischer Fertigungsexzellenz und technologischer Kompetenz der Verbündeten entstehe eine widerstandsfähige verteidigungsindustrielle Basis in Europa.
Auch Skyeton verweist auf die Dringlichkeit. Der Krieg in der Ukraine habe die Paradigmen moderner Kriegsführung grundlegend verändert, so Pavlo Shevchuk, International CEO von Skyeton: „Operative Resilienz, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit sind nicht verhandelbar.“ Mit ONBERG wolle man die im Einsatz gewonnenen Erkenntnisse und die Ausdauer der Systeme mit europäischer Serienfertigung und moderner autonomer Technologie verbinden.
Autonomie als Sicherheitsfaktor
Für ONBERG geht es dabei nicht allein um technologische Innovation, sondern um industrielle Verfügbarkeit. Michael Wellenzohn, Mitglied des Advisory Board von ONBERG und CEO von HDAT, betonte: „Echte Verteidigungsbereitschaft ist mehr als Innovation. Es geht um Skalierung und gesicherte Versorgung.“
Genau darin liegt der strategische Kern der Vereinbarung. Europa braucht nicht nur leistungsfähige Drohnen, sondern Produktionsstrukturen, die im Krisenfall schnell liefern können. Wenn die geplante Plattform erfolgreich aufgebaut wird, könnte sie zu einem Baustein europäischer Verteidigungsautonomie werden: mit Systemen, die auf NATO-Anforderungen ausgerichtet sind, in Europa gefertigt werden und operative Erfahrungen aus der Ukraine unmittelbar in industrielle Entwicklung übersetzen.



