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Alarmflut im Leitstand: Wenn wichtige Warnungen untergehen

Mehr Daten versprechen mehr Kontrolle. Doch im Leitstand kann eine Flut aus Meldungen kritische Entwicklungen verdecken. Intelligente Betriebsdatenanalyse erkennt Zusammenhänge, priorisiert Auffälligkeiten und bringt Warnungen gezielt zu den zuständigen Fachkräften.

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Road Closed Schild inmitten einer Flut
Foto: ©AdobeStock/Richard Johnson

Sensoren, Steuerungen und Subsysteme liefern im Minutentakt neue Werte. In Pharma- und Chemieanlagen kann die Masse an Alarmen jedoch dazu führen, dass relevante Entwicklungen zu spät erkannt werden. Dort greifen Temperatur, Druck, pH-Wert und Stoffkonzentration eng ineinander. Schon geringe Abweichungen können die Produktqualität beeinträchtigen oder ganze Chargen gefährden.

„In hochsensiblen Branchen haben Prozessstabilität, Compliance und Produktsicherheit oberste Priorität“, erklärt Tim Brexendorf, Geschäftsführer der VIDEC Data Engineering GmbH. Starre Alarmkonzepte reichen dafür häufig nicht aus.

Grenzwerte erfassen keine Wechselwirkungen

Klassische Systeme melden, sobald ein festgelegter Wert über- oder unterschritten wird. Schleichende Veränderungen und Wechselwirkungen zwischen mehreren Parametern bleiben dabei unberücksichtigt. Die Folge sind zahlreiche Meldungen ohne unmittelbaren Handlungsbedarf oder Warnungen, die erst nach einer deutlichen Prozessabweichung erscheinen.

Moderne Betriebsdatenlösungen setzen deshalb bereits bei der Auswertung an. Sie führen Prozesswerte, historische Daten und Zustandsinformationen aus verschiedenen Anlagenbereichen zusammen. Lösungen wie acron bereiten Zeitverläufe und Anlagenzustände so auf, dass ungewöhnliche Zusammenhänge sichtbar werden.

Im Mittelpunkt steht nicht die Menge der Daten, sondern deren Kontext: Betrifft eine Abweichung nur einen Sensor, ist sie vorübergehend oder deutet sie auf eine Veränderung des gesamten Prozesses hin?

Erst bewerten, dann alarmieren

Zeitreihenanalysen, anlagenübergreifende Auswertungen und bekannte Prozessmuster ermöglichen eine abgestufte Bewertung. So werden Entwicklungen erkennbar, die sich über längere Zeit aufbauen, ohne sofort weitere Einzelalarme auszulösen.

„Klassische Systeme reagieren meist erst auf die Verletzung eines Grenzwerts“, sagt Brexendorf. Datenbasierte Ansätze können dagegen prüfen, ob eine Auffälligkeit Qualität, Verfügbarkeit oder nachgelagerte Prozessschritte beeinflusst.

Lösungen wie AIP leiten bewertete Ereignisse anschließend an zuständige Personen, Abteilungen oder Bereitschaften weiter. Prioritäten, Eskalationsstufen und festgelegte Alarmwege sorgen dafür, dass relevante Informationen rechtzeitig dort ankommen, wo eine Reaktion erforderlich ist.

Frühwarnung trotz zulässiger Einzelwerte

Ein typisches Szenario verdeutlicht den Nutzen: In einer chemischen Anlage bleiben Temperatur, Druck und Durchfluss innerhalb ihrer Toleranzen. Über längere Zeit verändern sich die Werte jedoch ungewöhnlich zueinander. Der Druck steigt leicht, der Durchfluss sinkt schleichend und die Temperatur folgt nicht mehr dem bekannten Muster.

Eine reine Grenzwertüberwachung würde möglicherweise erst reagieren, wenn ein Schwellenwert überschritten ist. Eine korrelierende Analyse kann die Entwicklung früher als relevante Auffälligkeit einstufen und gezielt Instandhaltung, Produktion oder Qualitätssicherung informieren. Eingriffe werden dadurch möglich, bevor Qualitätsverluste, Stillstände oder Folgeschäden entstehen.

Transparenz für Compliance und Audits

Kontextualisierte Alarme liefern neben der Warnung auch deren Begründung. Sie zeigen, welche Entwicklung den Alarm ausgelöst hat, wie sich der Prozess zuvor verhielt und welche Bewertung zugrunde lag. Das unterstützt regulatorische Dokumentationspflichten, Audits und interne Ursachenanalysen.

„Erst das Zusammenspiel aus belastbarer Datenerfassung, intelligenter Korrelation und passender Weiterleitung schafft eine tragfähige Entscheidungsgrundlage“, betont Brexendorf.

Für Leitstandteams bedeutet dieser Ansatz weniger Reizüberflutung und mehr Orientierung. Fachkräfte konzentrieren sich auf priorisierte, nachvollziehbare Ereignisse statt auf eine Vielzahl isolierter Meldungen. Alarmierung entwickelt sich damit vom reinen Reaktionsmechanismus zu einem Instrument der Prozesssteuerung. Voraussetzung ist ein Gesamtkonzept, das Betriebsdaten, Bewertung und Weiterleitung miteinander verbindet.

Tim Brexendorf, Geschäftsführer der VIDEC Data Engineering GmbH.
Foto: VIDEC Data Engineering GmbH

Tim Brexendorf, Geschäftsführer der VIDEC Data Engineering GmbH.

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