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Sicherheitswirtschaft im Wandel: Private Sicherheitsdienste fordern neue Rolle

Berlin diskutiert über die Zukunft der inneren Sicherheit: Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft fordert klare politische Rahmenbedingungen, moderne Qualitätsstandards und eine stärkere Verzahnung privater Sicherheitsdienste mit Staat und Behörden.

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Nachtwächter benutzt Taschenlampe
Foto: ©AdobeStock/Andrey Popov

Die private Sicherheitswirtschaft sieht sich nicht länger nur als Dienstleister am Rand staatlicher Sicherheitsstrukturen. Angesichts geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen, wachsender Cyberrisiken und steigender Anforderungen an den Schutz Kritischer Infrastrukturen fordert die Branche eine entschlossenere politische Neuordnung ihrer Rolle. Beim Treffen des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft in Berlin wurde deutlich: Sicherheit soll künftig stärker als gemeinsamer Auftrag von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft verstanden werden.

Unter dem Leitmotiv „Sicherheit im Wandel – Verantwortung, Resilienz, Zukunft“ kamen Vertreter aus Sicherheitswirtschaft, Politik, Behörden und europäischen Partnerorganisationen zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Deutschland seine Sicherheitsarchitektur an eine Lage anpasst, in der physische Sicherheit, Cybersicherheit, Krisenvorsorge und wirtschaftliche Stabilität immer enger miteinander verbunden sind.

Sicherheit wird zum Gemeinschaftsauftrag

BDSW-Präsident Werner Landstorfer beschrieb Sicherheit als dynamischen Prozess, der nicht mehr allein durch staatliche Strukturen gewährleistet werden könne. Die private Sicherheitswirtschaft sei heute an Flughäfen, in Unternehmen, bei Veranstaltungen, im Werkschutz und zunehmend auch im Umfeld Kritischer Infrastrukturen ein unverzichtbarer Bestandteil praktischer Sicherheitsvorsorge.

„Wir sind besser zusammen“, lautete das zentrale Fazit seiner Rede. Landstorfer verband damit den Anspruch, dass Sicherheitsunternehmen früher, strukturierter und verbindlicher in Lagebilder, Krisenpläne und Schutzkonzepte eingebunden werden müssten. Verantwortung bedeute heute, Risiken rechtzeitig zu erkennen, präventiv zu handeln und belastbare Kooperationen aufzubauen.

Aus Sicht des Verbandes braucht es dafür fünf Kernelemente: verlässliche politische Rahmenbedingungen, einen klaren Sicherheitsauftrag, bessere Kommunikation, gelebte Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Akteuren sowie eine vielfältige und anpassungsfähige Branche. Gerade beim Schutz Kritischer Infrastrukturen reicht es nach Einschätzung der Branche nicht mehr, Sicherheitsdienstleister nur operativ einzusetzen. Sie müssten als strategische Partner verstanden werden.

Politischer Rückhalt für Reformen

Ein deutliches Signal kam aus der Politik. Der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer hob die Bedeutung privater Sicherheitsunternehmen für die nationale Sicherheitsarchitektur hervor. Sie seien ein qualitätsorientierter und unverzichtbarer Partner und leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Resilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

Mayer unterstützte zentrale Forderungen des Verbandes, darunter die Modernisierung des Bewachungsrechts, einheitliche Qualitätsstandards, eine weitere Professionalisierung der Aus- und Weiterbildung sowie eine engere Zusammenarbeit mit staatlichen Sicherheitsbehörden. Damit griff er einen Kernpunkt der Debatte auf: Die Branche will nicht nur mehr Anerkennung, sondern klare gesetzliche und organisatorische Grundlagen für ihre wachsende Verantwortung.

Auch weitere Beiträge machten deutlich, wie breit das Thema inzwischen gefasst wird. Florian Graf, Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Berlin, betonte die Bedeutung der Sicherheitswirtschaft für Berlin als Sicherheits- und Veranstaltungsmetropole. Timo Hauschild vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sprach über resiliente Lieferketten im Umfeld der europäischen Richtlinie für Netzwerk- und Informationssicherheit und über steigende Anforderungen an Cybersicherheit und Krisenvorsorge.

Zwischen Arbeitsmarkt, Europa und Resilienz

Neben Regulierung und Cybersicherheit rückten auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den Fokus. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, verwies auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal, verlässliche Ausbildung und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen lasse sich die geforderte Professionalisierung kaum erreichen.

Alexander Frank von der Confederation of European Security Services ordnete die Debatte europäisch ein. Krisenvorsorge, Resilienz und der Schutz kritischer Einrichtungen seien längst keine rein nationalen Themen mehr. Damit wächst auch der Druck, Standards, Ausbildung und Kooperation über Ländergrenzen hinweg besser abzustimmen.

Am Ende stand in Berlin ein klares Branchenbekenntnis: Die private Sicherheitswirtschaft will mehr Verantwortung übernehmen. Dafür verlangt sie aber eine Sicherheitsarchitektur, die diese Rolle politisch, rechtlich und organisatorisch anerkennt. Die Botschaft an Staat und Behörden war unmissverständlich: Wer Deutschland widerstandsfähiger machen will, muss private Sicherheitsunternehmen früher und enger einbinden.

Vertreter der Sicherheitswirtschaft, Politik, Behörden und Partnerorganisationen diskutierten in Berlin über die zukünftigen Herausforderungen für die innere Sicherheit, den Schutz Kritischer Infrastrukturen sowie die Rolle der privaten Sicherheitswirtschaft in Deutschland und Europa.
Foto: Thomas Imo/Photothek MediaLab

Vertreter der Sicherheitswirtschaft, Politik, Behörden und Partnerorganisationen diskutierten in Berlin über die zukünftigen Herausforderungen für die innere Sicherheit, den Schutz Kritischer Infrastrukturen sowie die Rolle der privaten Sicherheitswirtschaft in Deutschland und Europa.

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