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Wasserinfrastruktur im Visier: Die wachsende Gefahr durch Cyberangriffe

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen des Planeten – und gleichzeitig ein zunehmend gefährdetes Ziel für Cyberangriffe. Viele Wasseraufbereitungsanlagen und Verteilungssysteme sind auf digital gesteuerte Prozesse angewiesen. Werden diese manipuliert, drohen weitreichende Folgen: Verunreinigungen, Versorgungsunterbrechungen und massive Risiken für die öffentliche Gesundheit.

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Wasserinfrastruktur, Wasseraufbereitungsanlage leitet gereinigtes Wasser in den Fluss
Foto: ©AdobeStock/João Macedo

Eine Bewertung der US-Umweltschutzbehörde aus dem Jahr 2024 zeigte: 97 Trinkwassersysteme mit über 26 Millionen versorgten Menschen wiesen kritische oder hochriskante Cybersicherheitslücken auf. Laut Check Point Research verzeichnete die Energie- und Versorgungsbranche im Jahr 2025 durchschnittlich 1 872 Angriffsversuche pro Woche und Unternehmen – ein Anstieg um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Europa war mit einem Plus von 82 Prozent besonders betroffen, nur Nordamerika war noch stärker im Visier.

Cyberangriffe mit wirtschaftlichen Folgen

Die Gefahren solcher Angriffe reichen weit über kurzfristige Betriebsunterbrechungen hinaus. Gelangt verunreinigtes Wasser in die Versorgung, kann dies hunderttausende Menschen gefährden. Gleichzeitig hängen viele wirtschaftliche Prozesse direkt von einer stabilen Wasserversorgung ab: Produktionsbetriebe, Rechenzentren oder landwirtschaftliche Betriebe wären im Fall einer Unterbrechung sofort betroffen. Selbst eine eintägige Unterbrechung könnte laut US Water Alliance wirtschaftliche Aktivitäten im Wert von 43,5 Milliarden US-Dollar gefährden.

Wie groß die Auswirkungen sein können, zeigt das Beispiel Charlotte Water in North Carolina. Eine simulierte Attacke ergab: Täglich 132 Millionen US-Dollar Einnahmeverluste und über fünf Milliarden US-Dollar an Wiederherstellungskosten wären die Folge eines erfolgreichen Angriffs.

Auch reale Vorfälle unterstreichen die Bedrohung. 2023 wurde Alto Calore Servizi in Süditalien Opfer eines Ransomware-Angriffs. Die IT-Systeme des Unternehmens, das 125 Gemeinden mit Trinkwasser versorgt, wurden unbrauchbar gemacht. Zwar blieb die Wasserversorgung selbst intakt, doch der Vorfall zeigt, wie anfällig selbst zentrale Infrastrukturen sind.

Digitale Widerstandsfähigkeit als wirtschaftliche Notwendigkeit

Viele Anlagen arbeiten mit veralteter Technologie, die kaum gegen moderne Bedrohungen geschützt ist. Angriffe auf Wasserversorger sind daher keine abstrakte Gefahr, sondern betreffen ganze Regionen – mit Auswirkungen auf Wirtschaft, Sicherheit und Vertrauen.

Die Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen Cybersicherheit als wirtschaftlich essenziellen Bestandteil ihrer Verantwortung begreifen. Investitionen in digitale Resilienz sind Investitionen in Versorgungssicherheit, Standortstabilität und öffentliche Gesundheit.

Stärkung der Cyber-Abwehr: Was jetzt wichtig ist

Wasserversorger müssen einen proaktiven Ansatz für Cybersicherheit wählen. Wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit sind:

  • Investitionen in Endpunkt- und Netzwerksicherheit: KI-gestützte Systeme zur Bedrohungserkennung helfen, Netzwerkaktivitäten zu überwachen und Angriffe frühzeitig abzuwehren.
  • Schließung gesetzlicher Lücken: Die Cybersicherheitsvorgaben für Wasserversorger sind weniger streng als etwa im Energie- oder Finanzsektor. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
  • Cybersicherheitstraining: Viele Betreiber verfügen weder über geschultes Personal noch über ausreichende Schulungen. Regelmäßige Trainings müssen oberste Priorität haben.
  • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Ungesicherter Fernzugriff auf OT-Systeme ist ein häufiges Einfallstor. MFA nach dem Zero-Trust-Prinzip schützt zuverlässig vor unbefugtem Zugriff.
  • Vorfallsreaktionspläne: Notfallpläne helfen, im Ernstfall schnell zu handeln und Schäden zu begrenzen.

Angesichts wachsender Bedrohungen war der Handlungsdruck noch nie so hoch. Regierungen, Versorger und Cybersicherheitsexperten müssen gemeinsam handeln, um diese kritische Infrastruktur zu schützen – bevor weitere Angriffe Menschenleben und Versorgungssicherheit gefährden.

Marco Eggerling, Global CISO bei Check Point Software
Foto: Check Point Software

Marco Eggerling, Global CISO bei Check Point Software

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