Unsichtbarer funken: Cyberagentur erforscht adaptive Funkwege
Funkverschlüsselung schützt Daten, aber nicht den Standort des Senders. Mit intelligenten Metaoberflächen will die Cyberagentur deshalb künftig sogar den Ausbreitungsweg von Funksignalen verändern. Das Forschungsprogramm InSuReCS soll dafür Technologien aus dem 6G-Umfeld für hochmobile Einsätze nutzbar machen.

Wer funkt, kann sich verraten – selbst wenn niemand die übertragenen Daten entschlüsseln kann. Elektronische Kampfführung kann Funkemissionen erfassen, ihre Richtung bestimmen und daraus den Standort eines Senders ableiten. Genau diese elektromagnetische Signatur nimmt das neue Forschungsprogramm „Reconfigurable Intelligent Surfaces for Resilient Communication and Sensing“ (InSuReCS) der Cyberagentur ins Visier. Die Ausschreibung wurde am 27. August 2026 veröffentlicht.
Wenn Verschlüsselung allein nicht reicht
Moderne Kryptographie verhindert, dass abgefangene Funkdaten ohne Weiteres gelesen werden können. Gegen Funkpeilung hilft sie jedoch nicht. Communications Security (COMSEC) umfasst deshalb auch Maßnahmen, die Erkennung und Ortung erschweren.
Frequency Hopping, kurze Burst-Übertragungen, Richtfunk oder kurze Sendezyklen reduzieren bereits heute die verräterische Funkaktivität. Der Preis dafür können jedoch geringere Reichweite, schlechtere Verfügbarkeit oder weniger flexible Verbindungen sein. Gleichzeitig benötigen taktische Datenlinks, vernetzte Sensoren und kontinuierlich aktualisierte Lagebilder immer höhere Datenraten.
Die Funkstrecke wird programmierbar
InSuReCS setzt deshalb am Ausbreitungsweg selbst an. Reconfigurable Intelligent Surfaces (RIS) sind elektronisch steuerbare Metaoberflächen, die elektromagnetische Wellen gezielt beeinflussen können. Statt ausschließlich auf die direkte Funkstrecke zwischen Sender und Empfänger angewiesen zu sein, sollen Signale über geeignete Zwischenpunkte umgelenkt und stark gerichtet zum Ziel geführt werden.
Die Konfiguration der Oberfläche soll sich dabei laufend an Positionen und Einsatzsituation anpassen. Dadurch könnte eine Funkstrecke dort entstehen, wo eine direkte Verbindung ungünstig oder leichter aufklärbar wäre. Gleichzeitig soll die Technologie bestehende Systeme um zusätzliche Frequenzbereiche, Bandbreite und Richtwirkung ergänzen.
„Nicht allein das übertragene Signal, sondern auch sein Ausbreitungsweg soll künftig flexibel an die jeweilige Einsatzsituation angepasst werden können“, beschreibt Dr. Fabian Schrumpf, Leiter Vertrauenswürdige Kommunikation bei der Cyberagentur, das Ziel. Intelligente Metaoberflächen könnten damit Kommunikation robuster machen und zugleich die Ortung eigener Kräfte erschweren.
Kommunikation wird zugleich zum Sensor
Ein weiterer Schwerpunkt ist Integrated Communication and Sensing (ISAC). Dabei dient dasselbe Funksystem nicht nur der Datenübertragung, sondern zugleich aktiven oder passiven Sensor- und Aufklärungsaufgaben. Funkwellen können damit beispielsweise Informationen über die Umgebung liefern, während sie Kommunikationsdaten transportieren.
RIS werden bereits im Zusammenhang mit künftigen 6G-Netzen untersucht. InSuReCS soll nun klären, ob sich das Konzept aus vergleichsweise statischen Umgebungen auf hochmobile Konflikt- und Krisenszenarien übertragen lässt. Gefordert sind unter anderem plattformunabhängige Lösungen, die Integration in vorhandene und zukünftige Funktechnik sowie eine kontinuierliche Anpassung der RIS-Konfiguration während der Bewegung.
Die Ausschreibung richtet sich an Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Start-ups und Unternehmen aus Funk-, Nachrichten- und Hochfrequenztechnik, Metaoberflächen, Antennentechnik, Sensorik, Software Defined Radio und Informationstechnik. Eine Bewerbung ist allein oder im Konsortium möglich. Der Teilnahmewettbewerb endet am 28. Oktober 2026 um 10:00 Uhr.



