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Extremismus auf Rekordhoch 2024: Verfassungsschutzbericht 2024 warnt vor Extremismus

Der Verfassungsschutzbericht 2024 dokumentiert eine dramatische Zuspitzung der extremistischen Bedrohungslage in Deutschland. Mit über 57.000 Straftaten erreicht der politische Extremismus einen neuen Höchststand. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einem „Schutzwall gegen Demokratiefeinde“ – und warnt vor wachsender Gewalt, digitaler Einflussnahme und einer zunehmenden Verrohung im öffentlichen Raum.

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Ein gewalttätiger Aufstand von kriminellen Banden oder Extremisten, maskierte Gesichter in schwarzer Kleidung und Kapuzenpullover
Foto: ©AdobeStock/wetzkaz

Deutschland erlebt 2024 ein Rekordjahr extremistischer Kriminalität: 57.701 politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund verzeichnet der Verfassungsschutz – ein Anstieg von mehr als 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter den registrierten Vorfällen finden sich 2.976 Gewalttaten, viele davon antisemitisch motiviert, islamistisch aufgeladen oder mit radikalisierten politischen Ideologien verknüpft.

Innenminister Dobrindt sieht die freiheitlich-demokratische Grundordnung zunehmend unter Beschuss: „Extremisten leugnen das Existenzrecht Israels, greifen Menschen auf offener Straße an und planen den Umsturz unseres Staates. Der Verfassungsschutz ist unser Frühwarnsystem – und ein zentraler Pfeiler unserer Demokratie.“

Verfassungsschutzbericht 2024: Rechtsextremismus weiter auf dem Vormarsch

Mit 50.250 Personen ist das rechtsextreme Spektrum auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erfassung – darunter 15.300 gewaltorientierte Akteure. Besonders auffällig: die ideologische Verbindung zu antisemitischen Narrativen im Kontext des Nahostkonflikts und ein wachsender Fokus auf queerfeindliche Inhalte. Auch das Spektrum der „Reichsbürger“ wächst auf 26.000 Personen, deren Gewaltpotenzial zunehmend schwerer einschätzbar wird.

Das Internet fungiert dabei als Radikalisierungstreiber, insbesondere bei jungen Menschen. Der Bericht warnt vor einer zunehmenden Entgrenzung rechtsextremer Ideologien, die sich mit Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Demokratieverachtung mischen.

Islamismus und Cyberbedrohungen: Vielschichtige Gefahrenlage

Auch das islamistische Personenpotenzial wächst – auf 28.280, davon über 9.500 gewaltorientiert. Die Attentate in Mannheim und Solingen machen deutlich, wie akut die Bedrohung durch jihadistische Einzeltäter weiterhin ist. Unter dem Einfluss des Nahostkonflikts nehmen zudem die Aktivitäten von HAMAS und „Hizb Allah“ zu – mit einer erhöhten Gefährdung für jüdische und israelische Einrichtungen in Deutschland.

Gleichzeitig nehmen staatlich gesteuerte Einflussoperationen zu. Russland, China und Iran setzen auf Desinformation, Sabotage, Cyberspionage und die gezielte Unterwanderung demokratischer Prozesse. Besonders alarmierend: Russland operiert zunehmend mit sogenannten Low-Level-Agents – also ungeschulten Einzelpersonen, die leicht ansprechbar und schnell aktivierbar sind.

Linksextremismus, Auslandsextremismus und neue Herausforderungen

Auch der Linksextremismus bleibt stabil hoch mit 38.000 Personen, von denen mehr als ein Viertel als gewaltorientiert gilt. Angriffe auf Parteien, Politikerinnen und Politiker sowie kritische Infrastrukturen verursachen zunehmend hohe wirtschaftliche Schäden. Der Bericht spricht hier von gezielten Sabotageakten – etwa im Kontext von Energieinfrastruktur oder Verkehrsnetzen.

Im auslandsbezogenen Extremismus bleibt die PKK mit 15.000 Anhängern die größte Organisation in Deutschland. Das gesamte Spektrum zählt 32.500 Personen, rund zwei Drittel davon mit Gewaltpotenzial.

Demokratischer Schutz braucht klare Kante

Der Verfassungsschutzbericht 2024 zeigt in aller Deutlichkeit: Demokratie ist zunehmend unter Druck – von innen wie von außen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen ideologischen Lagern, Verschwörungsideologien und religiösem Fanatismus.

BfV-Vizepräsident Sinan Selen betont: „Die Bedrohung ist komplex und multidimensional. Deutschland muss seine Sicherheitsinteressen entschlossen verteidigen – auch digital, auch international.“ Die Zahlen belegen: Der Verfassungsschutz bleibt ein zentraler Baustein zur Sicherung der freiheitlichen Ordnung – aber es braucht zugleich mehr gesellschaftliche Resilienz, digitale Aufklärung und politische Konsequenz im Umgang mit demokratiefeindlichen Tendenzen.

Den vollständigen Verfassungsschutzbericht 2024 gibt es hier.

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