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Wenn Nähe gefährlich wird:: Warum Weihnachten häusliche Gewalt verschärft

Weihnachten gilt als Fest der Nähe. Doch Stress, Geldsorgen und fehlende Rückzugsräume erhöhen für viele das Risiko häuslicher Gewalt. Die Berliner TU-Professorin Charmayne Hughes erklärt, wie Technik helfen kann und wo das Gesundheitssystem früher eingreifen muss.

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Lila Schleife als Symbol gegen häusliche Gewalt
Foto: ©AdobeStock/Arthur

Weihnachten steht für Geborgenheit, zugleich aber auch für Druck. Mehr Zeit in engen Wohnungen, finanzielle Belastungen und hohe Erwartungen lassen Konflikte schneller eskalieren. Für Betroffene wird es ausgerechnet dann besonders schwer, Hilfe zu suchen, wenn der Partner ständig anwesend ist. Offizielle Meldungen steigen oft verzögert, die Gewalt selbst nimmt jedoch zu.

Forschung gegen das Wegsehen

An der Technischen Universität Berlin untersucht Professorin Charmayne Hughes, wie sich häusliche Gewalt früher erkennen und wirksamer bekämpfen lässt. Ihr Fachgebiet für altersgerechte Mensch-Maschine-Systeme entwickelt menschenzentrierte Technologien wie nicht invasive Wearables, datenbasierte Analysen und cloudbasierte Entscheidungssysteme. Ziel ist es, Warnsignale sichtbar zu machen, ohne Betroffene zusätzlich zu gefährden.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen. Hughes überträgt ein in den Vereinigten Staaten erprobtes Lernprogramm auf deutsche Strukturen. Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte, Zahnärzte und Physiotherapeuten lernen, subtile Hinweise zu erkennen und Gespräche empathisch zu führen. Viele Betroffene suchen zunächst medizinische Hilfe wegen Schlafstörungen, Schmerzen oder Stresssymptomen. Wird diese Chance verpasst, bleibt Unterstützung oft aus.

Ungleiche Hilfe für Betroffene

Gewalt kommt in allen sozialen Schichten vor, doch Unterstützung ist ungleich verteilt. Menschen mit gesellschaftlichen Privilegien werden häufiger ernst genommen. Personen mit geringem Rückhalt, unsicherem Aufenthaltsstatus oder aus der Gruppe lesbischer, schwuler, bisexueller, transgeschlechtlicher und intergeschlechtlicher Menschen meiden Behörden aus Angst vor Stigmatisierung. Vorwürfe wie „Warum sind Sie nicht gegangen?“ untergraben Vertrauen und halten Betroffene davon ab, Hilfe zu suchen.

Technik als Chance und Risiko

Digitale Hilfsmittel können Schutz bieten, wenn sie sicher gestaltet sind. Wearables ermöglichen diskrete Notfallalarme oder das lautlose Dokumentieren von Vorfällen. Analysen mit Künstlicher Intelligenz können Muster erkennen und passende Hilfsangebote vermitteln. Gleichzeitig warnt Hughes vor unsicherem Design. Sensible Daten dürfen weder auf Geräten noch in schlecht geschützten Systemen gespeichert werden. Gelangen Täter an solche Informationen, kann das lebensgefährlich sein. Empfohlen sind verschlüsselte, geprüfte Lösungen ohne Datenspuren, etwa anonyme, browserbasierte Chats.

Studierende besonders belastet

Eine aktuelle Umfrage unter Studierenden in Deutschland zeigt alarmierend hohe Zahlen. Sie liegen deutlich über den bekannten 25 Prozent bei Frauen und 20 Prozent bei Männern in der Gesamtbevölkerung. Viele Betroffene wenden sich zunächst an Freunde statt an Polizei oder medizinisches Personal. Negative Erfahrungen wirken lange nach und verhindern spätere Hilfesuche. Hughes plädiert dafür, Hochschulen als sichere Orte zu stärken und klare Melde- und Unterstützungsstrukturen zu schaffen.

Ein Appell für die Feiertage

„Gewalt macht keine Weihnachtsferien“, sagt Hughes. Ihr Appell richtet sich an alle: genauer hinsehen, Fragen stellen, Hilfe anbieten oder zuhören. Technik kann dabei unterstützen, doch entscheidend bleibt der Mut, Verantwortung zu übernehmen.

An der TU Berlin erforscht Professorin Charmayne Hughes, wie Betroffene von häuslicher Gewalt besser geschützt werden können.
Foto: Michael Broder

An der TU Berlin erforscht Professorin Charmayne Hughes, wie Betroffene von häuslicher Gewalt besser geschützt werden können.

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