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Bundeslagebild 2023: Harte Gangart gegen Organisierte Kriminalität

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und BKA-Präsident Holger Münch haben das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität (OK) 2023 vorgestellt. Die Polizei führte 642 Ermittlungsverfahren gegen OK-Gruppierungen, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2022 (639). Die Zahl der Tatverdächtigen blieb mit 7.347 nahezu unverändert (2022: 7.256, +1,3 Prozent).

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Blue light on police car
Foto: ©AdobeStock/Firn

Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte bei der Vorstellung des Bundeslagebilds zur Organisierten Kriminalität 2023 den anhaltend hohen Ermittlungsdruck: „Unsere harte Gangart zeigt Erfolg und bleibt notwendig, da OK-Gruppierungen zunehmend gewalttätig und international vernetzt agieren.“ Besonders betonte sie die wachsende Zahl nicht-deutscher Tatverdächtiger und forderte konsequente Strafverfolgung, Ausweisungen und Abschiebungen. Im Kampf gegen Drogenkriminalität verwies sie auf verstärkte Kontrollen und internationale Kooperationen mit südamerikanischen Staaten, um die Kokainschwemme zu bekämpfen.

BKA-Präsident Holger Münch hob die Bedrohung durch OK-Gruppierungen hervor, die oft Zugang zu Schusswaffen haben und Gewalt einsetzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Er unterstrich die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und erweiterter Ermittlungsstrategien, insbesondere im Bereich der Finanzermittlungen, um kriminelle Netzwerke effektiv zu zerschlagen.

Das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2023 liefert Einblicke in die aktuelle Lage und die Ergebnisse polizeilicher Ermittlungen in diesem Bereich. Rauschgiftkriminalität (264 Verfahren), Wirtschaftskriminalität (111 Verfahren) und Eigentumskriminalität (62 Verfahren) bleiben die dominierenden Tätigkeitsfelder der Organisierten Kriminalität in Deutschland.

Die durch OK-Gruppierungen verursachten Schäden stiegen auf 2,7 Milliarden Euro, doppelt so viel wie im Vorjahr. Besonders alarmierend ist der Bereich Cybercrime, der allein für 1,7 Milliarden Euro des Gesamtschadens verantwortlich ist und das enorme Schadenspotenzial dieser Delikte verdeutlicht.

Neu im Bericht ist die detaillierte Analyse der Einflussnahme von OK-Gruppierungen auf externe Bereiche. In 97 Fällen konnte eine solche Einflussnahme nachgewiesen werden, wobei Insider in Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Politik kriminelle Strukturen bewusst oder unbewusst unterstützten. Es wird zudem betont, dass dies nur die polizeilich erfassten Fälle sind und ein erhebliches Dunkelfeld existiert.

Um die kriminellen Strukturen nachhaltig zu zerschlagen, stellte Bundesinnenministerin Faeser 2022 eine Strategie zur Bekämpfung der Schweren und Organisierten Kriminalität vor. Dabei wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, insbesondere zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit, um die Rauschgiftkriminalität einzudämmen und die Kokainschwemme aus Südamerika zu bekämpfen.

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