Sicherheitswirtschaft wächst, doch der Personalaufbau stockt
Die führenden Sicherheitsdienstleister steigern ihre Umsätze trotz schwacher Konjunktur weiter. Bei der Beschäftigung zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Technische Sicherheitsdienste wachsen, während klassische Wach- und Sicherheitsdienste erstmals seit Jahren Personal verlieren.

Die private Sicherheitswirtschaft hat sich 2025 wirtschaftlich stabil entwickelt. Nach der aktuellen Lünendonk-Liste erhöhten die 25 führenden Anbieter ihren sicherheitsrelevanten Umsatz im Durchschnitt um 4,6 Prozent auf insgesamt rund 5,63 Milliarden Euro. Die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung bremste damit zwar das Wachstum, brachte es jedoch nicht zum Stillstand. „Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen bleibt hoch und die Unternehmen wachsen weiter“, erklärt Cornelia Okpara, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW).
Beschäftigung nahezu unverändert
Bei der Zahl der Beschäftigten schlägt sich das Umsatzwachstum kaum nieder. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit arbeiteten zum 31. Dezember 2025 insgesamt 290.674 Menschen in der Wirtschaftsklasse 80 „Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien“. Das waren lediglich 99 Beschäftigte mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs lag damit bei nur 0,03 Prozent.
Hinter dem nahezu unveränderten Gesamtwert verbergen sich gegenläufige Entwicklungen:
- Sicherheitsdienste mit Überwachungs- und Alarmsystemen: plus 438 auf 10.442 Beschäftigte
- Private Wach- und Sicherheitsdienste: minus 275 auf 276.452 Beschäftigte
- Detekteien: minus 64 auf 3.780 Beschäftigte
Damit ging die Beschäftigung in den klassischen Wach- und Sicherheitsdiensten erstmals seit mehreren Jahren leicht zurück.
Technik gewinnt an Gewicht
Die Zahlen zeigen einen strukturellen Wandel. Sicherheitsunternehmen setzen verstärkt auf Überwachungs- und Alarmsysteme, vernetzte Leitstellen und integrierte Konzepte, die Personal und Technik miteinander verbinden. Solche Lösungen können große Flächen überwachen, Auffälligkeiten automatisch erkennen und Einsatzkräfte gezielter steuern.
Die Personalverschiebung zugunsten der sicherheitstechnischen Dienstleistungen verdeutlicht zudem den Wandel innerhalb der Branche. Technische Lösungen, Überwachungs- und Alarmsysteme sowie integrierte Sicherheitskonzepte gewinnen zunehmend an Bedeutung.
„Gerade die klassischen Sicherheitsdienstleistungen sind und bleiben personalintensiv“, betont Okpara. Angesichts wachsender Aufgaben beim Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS), öffentlicher Einrichtungen, Unternehmen und Veranstaltungen benötige die Branche „nicht weniger, sondern mehr qualifizierte Beschäftigte“.
Wachstum trifft auf Personalengpässe
Die Entwicklung stellt die Branche vor ein doppeltes Problem: Die Nachfrage steigt, zugleich wächst das verfügbare Personal kaum. Technische Systeme können Beschäftigte zwar entlasten und Prozesse effizienter machen. Ohne ausreichend qualifizierte Kräfte lassen sich zusätzliche Aufträge jedoch nicht dauerhaft abdecken.
Der BDSW fordert deshalb beschäftigungsfreundlichere Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Belastungen und mehr politische Unterstützung. Für die weitere Entwicklung der Branche wird entscheidend sein, ob es gelingt, technische Modernisierung mit Ausbildung, Qualifizierung und einer höheren Attraktivität der Sicherheitsberufe zu verbinden.

BDSW-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Okpara



