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Zivile Verteidigung: protekt-Konferenz Leipzig: Zivile Verteidigung im Fokus

Auf der protekt-Konferenz in Leipzig analysiert Dr. Konstantinos Tsetsos die wachsenden Herausforderungen in der zivilen Verteidigung. Die Bedrohungen nehmen zu, doch innovative Ansätze und präventive Strategien bringen Hoffnung und Lösungsansätze für eine widerstandsfähige Gesellschaft.

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Industrieanlage mit digitalem Schutzschild als Symbol für den Schutz kritischer Infrastrukturen vor Cyberbedrohungen
Foto: ©AdobeStock/Feeney

Um kritische Infrastrukturen umfassend zu schützen, sind sowohl Cybersicherheit als auch physische Schutzmaßnahmen unerlässlich – ein Anliegen, das die protekt seit ihrer Gründung im Jahr 2016 verfolgt. 2024 passt sich die Konferenz nun an die veränderte sicherheitspolitische Lage an. Ein deutlicher Schritt in diese Richtung ist der Vortrag von Dr. Tsetsos, der den neu geschaffenen Themenstrang zur zivilen Verteidigung bereichert. Der Hintergrund ist eindeutig: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 stellt sich auch in Deutschland die Frage, was im Ernstfall wie verteidigt werden muss. Kritische Infrastrukturen spielen dabei eine Schlüsselrolle, um das gesellschaftliche Leben zu erhalten.

Bedrohung durch hybride Angriffe

Doch muss sich Deutschland mit Szenarien beschäftigen, wie sie die Ukraine aktuell durchlebt? Dr. Tsetsos konzentriert sich auf sogenannte hybride Bedrohungen. Im Interview erklärt er, dass solche Bedrohungen zunehmend auch die Landes- und Bündnisverteidigung betreffen: „Das Schlachtfeld ist nicht mehr nur dort, wo sich Panzer und Soldaten begegnen, sondern auch in unseren Köpfen. Es zeigt sich in Form von Einflussnahme, strategischer Korruption und gezielter Desinformation. Diese Angriffe sind oft nicht physisch spürbar, aber sie zielen darauf ab, den politischen Gegner zu schwächen.“ Solche Angriffe hinterlassen ihre Spuren in Wahlergebnissen, in Cyberattacken auf Kommunen und Krankenhäuser. Dr. Tsetsos’ Aufgabe ist es, die Fähigkeiten und Absichten potenzieller Angreifer zu analysieren und Szenarien zu entwickeln. Seine Analyse ist düster – nicht zuletzt wegen der Klimakrise, die die Verwundbarkeit der Gesellschaft weiter erhöht und von Angreifern genutzt werden kann.

Prävention gegen dystopische Szenarien

Doch es gibt auch Hoffnung. Dr. Tsetsos sieht Chancen, die dystopischen Entwicklungen abzuwenden. Ein Beispiel dafür ist der „Operationsplan Deutschland“, den ein Vertreter der Bundeswehr auf der protekt vorstellen wird. Dieser Plan bündelt militärische und zivile Maßnahmen, um auf hybride Bedrohungen vorbereitet zu sein. Dr. Tsetsos betont, dass Staat, Unternehmen und die Bevölkerung sich besser auf die neue Bedrohungslage einstellen müssen, auch wenn das Problembewusstsein bereits gewachsen ist. „Betreiber kritischer Infrastrukturen sind sensibilisiert. Diese Konferenz ist essenziell, damit wir uns nicht in eine trügerische Gemütlichkeit zurückziehen.“

Ein ausführliches Interview mit Dr. Tsetsos zum Thema gibt es hier.

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